Physiotherapie bei Mukoviszidose
Bei Mukoviszidose verstopft zäher Schleim die Lunge und führt zu einer mangelhaften Sauerstoffversorgung des Körpers.
Dieser Schleim bildet einen idealen Nährboden für Bakterien, Pilze und Viren.
Es entstehen immer wieder Entzündungen in der Lunge, die zum einen die Zähflüssigkeit des Schleims erhöhen und zum anderen durch Schwellung der Bronchialschleimhäute einen Schleimtransport zusätzlich behindern.
Mit der Zeit werden die Bronchialwände dauerhaft geschädigt und verlieren ihre Stabilität.
Die Physiotherapie spielt im Leben der Mukoviszidose Patienten eine sehr wichtige Rolle. Um den zähen Schleim zu lockern und aus den Atemwegen zu befördern, ist tägliche Physiotherapie notwendig, die sich aus speziellen Atemtechniken und Übungen zusammensetzt. Die häufigste angewandte Technik ist die Autogene Drainage (Selbstreinigungstechnik = der Patient kann das Sekret ohne fremde Hilfe aus der Lunge entfernen). Die Erlernung und Anwendung der Autogenen Drainage erfordert von den Patienten ein hohes Maß an Konzentration und bedarf der ständigen Kontrolle durch den Therapeuten. Bei der Autogenen Drainage kommt es durch vertiefte Ein- und Ausatmung zu einer Änderung des Durchmessers der Bronchien, was als Bronchialkaliberschwankung bezeichnet wird. Bei der Einatmung vergrößert sich der Durchmesser, bei der Ausatmung verkleinert er sich. Die Atempause nach der Einatmung ist wichtig, damit die Atemluft auch in verstopfte Bereiche gelangen und sich hinter das Sekret setzen kann. Dadurch wird das Sekret von den Bronchialwänden gelöst und mit der Ausatemluft aus der Lunge befördert. Die Autogene Drainage dient als Grundlage für die Inhalation und den Einsatz von Atemtherapiegeräten wie dem Flutter, dem Cornet oder dem PEP-System.
Eine weitere Atemtechnik ist die dosierte Lippenbremse (Ausatembremse). Der Patient wird darin geschult, sie bei Atemerschwerung und körperlicher Belastung einzusetzen. Bei instabilen oder verengten Bronchien vermindert die Lippenbremse die Gefahr des Bronchialkollapses.
Die Physiotherapie bei Mukoviszidose kann in aktive und passive Techniken unterteilt werden.
Zu den aktiven Techniken gehören Mobilisationsübungen und verschiedene Lagerungstechniken.
Die Brustkorbmobilisation ist sehr wichtig, um die Beweglichkeit der Wirbelsäule und Rippen zu erhalten.
Ein beweglicher Brustkorb ist Voraussetzung für eine tiefe Atmung und damit für wirksame Bronchialkaliberschwankungen.
Nach Mobilisationsübungen wirken Techniken zur Schleimlockerung und Schleimentfernung oft effektiver.
Lageveränderungen des Körpers (Rückenlage, Seitlage, Bauchlage variierend als kopfhoch- oder tieflage) bewirken eine Änderung der Durchblutung und Belüftung der Lunge.
Diese sind von der Schwerkraft abhängig: unten liegende Lungenabschnitte werden stärker durchblutet, oben liegende Bereiche sind stärker mit Luft gefüllt.
Somit haben Lagewechsel Einfluß auf den Sekrettransport.
Die Kombination dieser Drainagelagerungen mit passiven Techniken wie Kontaktatmung, Vibrationen und Schüttelungen fördert die Sekretmobilisation und verbessert die Belüftung der Lunge durch Vertiefung der Atmung.
Mithilfe der therapeutischen Körperstellungen wie z. B. Schraube, Mond, Überschlag werden Muskulatur und Haut des Brustkorbes gedehnt und dadurch beweglich gehalten. Die Dehnlagen können intensiviert werden durch die Anwendung von Packegriffen, Ausstreichungen der Zwischenrippenräume, Massagegriffen oder Hautrollungen.
Zu den therapeutischen Körperstellungen gehören auch die atemerleichternden Stellungen, die bei Atemnot angewendet werden. Sie entlasten die Atemmuskulatur und ermöglichen eine Vertiefung der Atmung und eine allgemeine Entspannung.
Mukoviszidose Patienten werden täglich mit einem straffen Therapieplan konfrontiert. Dazu gehören Inhalation, Medikamenteneinnahme und ein konsequentes Übungsprogramm. Dies erfordert sehr viel Disziplin von den Patienten und den Angehörigen und läßt oft wenig Platz für Freizeitgestaltung.
Das Übungsprogramm muß von dem Therapeuten regelmäßig an den Allgemeinzustand des Patienten angepaßt und kontrolliert werden.
Der Therapeut muß Patienten und Angehörige immer wieder motivieren, die Übungen selbständig durchzuführen und in den Alltag einzubauen.
Neben der fachlichen Kompetenz muß der Therapeut auch die Fähigkeit besitzen, ein vertrautes Verhältnis zu schaffen und bei Gesprächen auf Fragen, Sorgen und Wünsche einzugehen.
Der Arbeitskreis Mukoviszidose e.V. führt für Physiotherapeuten, die CF-Patienten behandeln wollen, jährlich mehrere Fortbildungsseminare durch, auf denen Theorie und Praxis der speziellen krankengymnastischen Techniken vermittelt werden.
Mit der Physiotherapie sollte so früh wie möglich begonnen werden, um sie direkt in das alltägliche Leben einzugliedern.